Dienstag, 28. Juli 2015

Sprachlos: Jeder sechste pflegende Angehörige vermisst Gespräche mit anderen

Pflegende Angehörige erhalten Hilfe bei seelischen Belastungen



Fehlender Austausch ist für Angehörige, die ein Familienmitglied pflegen, ein Problem. Bisher unveröffentlichte Zahlen aus der Pflegestudie der Techniker Krankenkasse (TK) zeigen: Jeder Sechste (17 Prozent) vermisst es, über die Pflege mit anderen sprechen zu können.

Besonders stark betroffen sind offenbar Pflegende, die in einer Großstadt mit mehr als 500.000 Einwohnern leben: Hier klagt sogar jeder vierte pflegende Angehörige (27 Prozent) über fehlende Gespräche.

Anonyme Beratung durch besonders geschulte Psychologen


Das Onlineportal www.pflegen-und-leben.de setzt bei diesem Problem an: Pflegende Angehörige können hier Hilfe bei seelischen Belastungen bekommen. Besonders geschulte Psychologen beraten in einem schriftlichen Austausch bei Sorgen und Problemen im Pflegealltag. Die Beratung ist anonym und für TK-Versicherte kostenlos.

"Angehörige treibt ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein und Mitgefühl an, wenn sie eine Pflegeaufgabe übernehmen. Sie müssen deshalb unbedingt darauf achten, dass sie selbst im Alltag nicht untergehen", erklärt Wolfgang Flemming, Fachbereichsleiter und Pflegeexperte bei der TK.

Die TK-Pflegestudie zeigt: Nur die Hälfte der pflegenden Angehörigen (56 Prozent) gibt an, dass ihr genügend Zeit für die eigenen Bedürfnisse bleibt. Jeder Vierte (24 Prozent) empfindet sich sogar manchmal nicht mehr richtig als eigenständiges Individuum.

Hinweis der Redaktion:
Das Onlineportal www.pflegen-und-leben.de wird betrieben in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse, der Barmer GEK, der DAK Gesundheit und der hkk Krankenkasse.

Freitag, 24. Juli 2015

Große Mehrheit der Pflegebedürftigen wird zu Hause betreut

KKH: Pflegekassen unterstützen Urlaub von der Pflege


Foto: KKH Kaufmännische Krankenkasse


Beim An- und Auskleiden helfen, bei der Körperpflege unterstützen, Mahlzeiten zubereiten und anreichen und, und, und: Wer zu Hause einen Angehörigen pflegt, weiß, dass das oftmals ein 24-Stunden-Job ist. Von den mehr als 56.000 pflegebedürftigen Versicherten der KKH Kaufmännische Krankenkasse im Jahr 2014 wurde die überwiegende Mehrheit (72 Prozent) daheim betreut; nur 28 Prozent wurden in Pflegeheimen vollstationär versorgt. Dabei liegt die häusliche Pflege laut Statistischem Bundesamt zu zwei Dritteln allein in den Händen von Angehörigen; der übrige Teil wird von ambulanten Pflegediensten - teils oder komplett - übernommen.

Verhinderungspflege ermöglicht weitere Versorgung in den eigenen vier Wänden

„Dauerhafte häusliche Pflege kostet körperlich wie seelisch viel Kraft und geht nicht selten an die Grenzen der Belastbarkeit“, sagt Matthias Eberitzsch vom Serviceteam der KKH in Ingolstadt. Keine Frage, dass pflegende Angehörige ab und an Urlaub zum Auftanken benötigen. Doch auch wenn etliche wissen, dass sie Anspruch auf eine Auszeit von der Pflege haben: „Manch einer schreckt davor zurück, den Pflegenden wegen eines Urlaubs, einer Krankheit oder auch Rehabilitation zur Kurzzeitpflege in einem Heim unterzubringen“, weiß Eberitzsch. Hier kann die so genannte Verhinderungspflege das Mittel der Wahl sein. Sie ermöglicht, dass der Pflegebedürftige - bei Verhinderung des Pflegenden - von einer Ersatzpflegekraft in den eigenen vier Wänden weiter gut versorgt wird. Er muss also nicht für begrenzte Zeit in eine Pflegeeinrichtung ziehen. Die Ersatzpflege kann von einem ambulanten Pflegedienst ebenso übernommen werden wie von Verwandten, Freunden oder Nachbarn.
Pflegende Angehörige haben seit Januar auf bis zu sechs Wochen und damit 42 Tage pro Jahr Anspruch auf Urlaub. Diese Zeit der Verhinderungspflege kann je nach Wunsch am Stück genommen oder über das Jahr verteilt werden. Zwei Voraussetzungen sind für eine Bewilligung zu erfüllen: 
  • Bei der pflegebedürftigen Person (u.a. Ehe- bzw. Lebenspartner, Eltern, Großeltern, Geschwister, Kinder) muss eine Pflegestufe vorliegen.
  • Der zu Pflegende muss seit mindestens einem halben Jahr von einer Pflegeperson im häuslichen Umfeld gepflegt worden sein.

Die Kosten für die Ersatzpflege werden von den Pflegekassen übernommen. „Deren Höhe richtet sich nach der jeweiligen Pflegestufe, aber auch danach, wer die vorübergehende Pflege übernimmt“, erläutert Matthias Eberitzsch. „So erhält ein naher Angehöriger in der Regel weniger Geld als ein ambulanter Pflegedienst.“ Pro Kalenderjahr zahlen die Pflegekassen seit Jahresbeginn bis zu 1.612 Euro.
Ein Antrag auf Verhinderungspflege ist bei der zuständigen Pflegekasse zu stellen und kann von Versicherten der KKH bzw. pflegenden Angehörigen unter https://www.kkh.de/versicherte/suche?q=Verhinderungspflege heruntergeladen werden. 
Ansprechpartner für weitere Fragen zur Verhinderungspflege sind neben den Pflegekassen Pflegestützpunkte, Sozialstationen sowie ambulante Pflegedienste und Pflegeeinrichtungen.
Tipp: Mit dem seit Jahresbeginn geltenden neuen Pflegestärkungsgesetz besteht für Pflegebedürftige weiter die Möglichkeit, neben der Pflege zusätzliche Betreuungsleistungen in Anspruch zu nehmen. Hierzu zählen Einkäufe, das Vorlesen aus Tageszeitungen und Büchern, Gespräche sowie gemeinsame Spaziergänge. 
Noch ein Tipp:
Auch zur Finanzierung einer ausländischen 24-Stunden-Pflege kann die Verhinderungspflege genutzt werden. Hier wohnt die Betreuungskraft im Haushalt des zu Versorgenden. Dadurch ist eine optimale Betreuung gewährleistet.
Weitere Informationen hierzu unter Brinkmann Pflegevermittlung 

Dienstag, 21. Juli 2015

Neue Broschüre der Deutschen Alzheimer Gesellschaft erschienen

"Gruppen für Menschen mit beginnender Demenz" - Eine Anleitung zum Gründen und Gestalten


Die Diagnose einer Demenz wird in den letzten Jahren immer häufiger schon zu Beginn der Erkrankung gestellt. Dies bietet für die Betroffenen eine große Chance. Zwar haben sie in der Regel bereits einige Schwierigkeiten im Alltag, doch sie leben noch weitgehend selbstständig. Viele haben den Wunsch sich mit anderen Erkrankten über ihre Erfahrungen und Bedürfnisse und die Gestaltung des Lebens mit Demenz auszutauschen. Die neue Broschüre der Deutschen Alzheimer Gesellschaft „Gruppen für Menschen mit beginnender Demenz“ will dazu ermutigen, Gruppen auf der Grundlage des Selbsthilfegedankens aufzubauen und zu gestalten. Die Betroffenen bringen ihre Themen bei den Treffen selber ein, doch bei der Gründung, Organisation und Moderation brauchen sie Unterstützung.
Die neue Broschüre in der Reihe „Leitfäden für Beratung und Gruppenarbeit“ behandelt u.a. die Fragen: Was ist beim Aufbau von Gruppen für Menschen mit beginnender Demenz zu beachten? Welche Gruppengröße und welcher zeitliche Rahmen sind empfehlenswert? Welche Regeln für die Gespräche in der Gruppe und Leitsätze für die Moderation haben sich bewährt? Wie geht man damit um, wenn jemand nicht mehr am Gespräch der Gruppe teilnehmen kann? Wie können solche Gruppen finanziert werden?
Die unterschiedliche praktische Gestaltung und die positiven Effekte werden am Beispiel von bereits existierenden Gruppen in München, Frankfurt am Main und Brühl verdeutlicht. Ein Verzeichnis der Gruppen für Menschen mit beginnender Demenz findet sich auf der Homepage der Deutschen Alzheimer Gesellschaft unter 

Die Broschüre erschien mit finanzieller Förderung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Die Broschüre

Deutsche Alzheimer Gesellschaft (Hrsg.): Gruppen für Menschen mit beginnender Demenz. Eine Anleitung zum Gründen und Gestalten. 1. Auflage 2015, 80 Seiten, 4 Euro. Bestellungen: siehe Kontaktdaten unten.

Hintergrundinformationen  

Heute leben in Deutschland etwa 1,5 Millionen Menschen mit Demenzerkrankungen. Ungefähr zwei Drittel davon leiden an der Alzheimer-Demenz. Ihre Zahl wird bis 2050 auf 3 Millionen steigen, sofern kein Durchbruch in der Therapie gelingt.
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz ist der Bundesverband von derzeit 139 regionalen Alzheimer-Gesellschaften, Angehörigengruppen und Landesverbänden. Sie nimmt zentrale Aufgaben wahr, gibt zahlreiche Broschüren heraus, organisiert Tagungen und Kongresse und unterhält das bundesweite Alzheimer-Telefon mit der Service-Nummer 01803 – 171017 (9 Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz) oder 030 / 259 37 95-14 (Festnetztarif).

Kontakt

Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz
Hans-Jürgen Freter
Friedrichstraße 236, 10969 Berlin
Tel. 030 / 259 37 95 – 0, Fax: 030 / 259 37 95-29

Sonntag, 19. Juli 2015

Hausnotruf: So können Angehörige von Senioren beruhigt in die Ferien fahren

Entspannter Urlaub


Foto: djd/www.initiative-hausnotruf.de
Darius Ramazani
Der wohlverdiente Urlaub bringt oft eine Belastung mit sich: die Sorge um die Lieben daheim. Selbst ältere Menschen, die sich im Alltag noch recht gut zurechtfinden, lässt man häufig mit einem unguten Gefühl zurück. 

Was, wenn sie plötzlich Hilfe brauchen und man weit weg und unerreichbar ist? Ein Hausnotruf kann den Urlaub deutlich entspannter machen. Damit ist im Ernstfall sichergestellt, dass Eltern oder Verwandte schnell Hilfe erhalten.

Mit einem Hausnotrufsystem haben ältere Menschen in Haus und Garten stets Hilfe in Reichweite.


Hilfe auf Knopfdruck


Über einen wie eine Armbanduhr am Handgelenk getragenen Sender können Senioren jederzeit professionelle Hilfe anfordern. Er verbindet sich auf Knopfdruck mit der Basisstation, die sofort die Hausnotrufzentrale alarmiert. Dort sind rund um die Uhr ausgebildete Mitarbeiter erreichbar, die über die Gegensprechfunktion die Dringlichkeit der Lage klären. Bei rund jedem dritten Anruf schicken sie den Bereitschaftsdienst vorbei. In rund drei Prozent der Fälle handelt es sich um derart kritische Situationen, dass die Zentrale einen Notruf an den Rettungsdienst, die Feuerwehr oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst auslöst. Gleichzeitig werden die Angehörigen über die Maßnahmen informiert.

Entlastung im Alltag


"Der Hausnotruf hilft nicht nur im Ernstfall, sondern entlastet Angehörige auch im Alltag", sagt Michaela Stevens, Geschäftsführerin der Initiative Hausnotruf. Dienstleistungen wie ein Fahrdienst, Einkauf- oder Menüservice könnten jederzeit hinzugebucht werden. Zunehmend werden auch andere technische Hilfsmittel angefragt. 

Die meist genutzten Assistenzsysteme, auch Ambient Assisted Living (AAL) genannt, sind derzeit Rauchwarn- und Temperaturmelder, die direkt mit der Hausnotrufzentrale verbunden sind, sowie Falldetektoren, die selbsttätig nach einem Sturz Alarm auslösen. Sogenannte Zugtaster im Bad oder am Bett sind eine beliebte Ergänzung, wenn das Notrufarmband beispielsweise nachts nicht getragen wird. Neue PC-Plattformen mit Videofunktion vereinen zudem die medizinische Betreuung mit Kommunikationsangeboten und Smart-Home-Funktionen.

30 Jahre Sicherheit


Seit mehr als 30 Jahren helfen Hausnotrufsysteme in Deutschland älteren Menschen, länger sicher in den eigenen vier Wänden zu leben. In dieser Zeit hat sich die Technik ständig weiterentwickelt - heute bieten neben handlichen Geräten, die man zuhause als Armband oder Kette tragen kann, unter anderem auch GPS-gestützte Funksender unterwegs schnelle Hilfe. In der "Initiative Hausnotruf" sind qualitätsorientierte Hilfsorganisationen sowie namhafte Hersteller vereint, die professionelle Unterstützung bieten. Mehr Informationen gibt es auch unter www.initiative-hausnotruf.de .

Samstag, 18. Juli 2015

Neue Informationsangebote über Leistungsverbesserungen des Pflegestärkungsgesetzes I

Bundesministerium für Gesundheit stellt weitere Informationsangebote zur Verfügung


Mit dem Pflegestärkungsgesetz I sind zu Beginn des Jahres 2015 die gesetzlichen Leistungen für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige umfassend verbessert worden. 

Dazu stellt das Bundesministerium für Gesundheit ab sofort weitere Informationsangebote zur Verfügung.



Neuer Internetauftritt erklärt das PSG I


Der Internetauftritt www.pflegestärkungsgesetz.de ist zentrale Anlaufstelle für alle Fragen zum Pflegestärkungsgesetz. Im Vordergrund stehen dabei konkrete Serviceinformationen: Wem stehen eigentlich welche Leistungsverbesserungen zu? An wen kann ich mich mit meinen Fragen wenden? Darüber hinaus wird über weitere gesetzliche Veränderungen informiert. So ist noch in diesem Jahr die Verabschiedung des Pflegestärkungsgesetzes II geplant, mit dem ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriffs eingeführt wird.

Multimedia-Reportage zeigt den Alltag einer neuen Betreuungskraft


Früher Lkw-Fahrerin – jetzt Tagesbegleiterin, Obstschnitzerin und Meisterin im Zuhören: Die Geschichte der Altenbetreuerin Gaby Richter ist Ausgangspunkt der ersten Multimedia-Reportage, die das Bundesgesundheitsministerium auf www.pflegestärkungsgesetz.de präsentiert. 

Gaby Richter steht stellvertretend für bis zu 20.000 neue Betreuungskräfte, die durch das Pflegestärkungsgesetz I seit Anfang des Jahres zusätzlich eingestellt werden können und so den Alltag in der stationären Pflege verbessern. Im Gegensatz zu Pflegekräften sind sie vor allem dafür zuständig, das Leben von Pflegebedürftigen aktiv zu gestalten, beispielsweise durch Gruppenkurse oder Spaziergänge. 

Neue Broschüren informieren über erweiterte Pflegeleistungen


Die neuen Kurzratgeber „Informationen für die häusliche Pflege“ und „Informationen für Demenzkranke und ihre Angehörigen“ richten sich vorrangig an pflegende Angehörige mit Hinweisen zu konkreten Herausforderungen im Alltag. Die Leserinnen und Leser erhalten Tipps, beispielsweise zur Einrichtung des Pflegezimmers, und finden darüber hinaus zahlreiche Hinweise auf weiterführende Hilfsangebote. Die Broschüre „Alle Leistungen zum Nachschlagen“ bietet eine Übersicht über wichtige Leistungen der Pflegeversicherung.

Die neuen Broschüren können auf der Internetseite des Bundesministeriums für Gesundheit in der Rubrik "Service" unter dem Menüpunkt "Publikationen" kostenfrei bestellt und heruntergeladen werden.

Weitere Informationen rund um das Thema Pflege finden Sie unter:


und

Donnerstag, 16. Juli 2015

Ausländisches Pflegepersonal - der Umgang mit Interkulturalität in der Pflege

Pflege hat in jeder Kultur einen anderen Stellenwert


Hier gibt es Informationen

Das Gelingen von interkulteller Pflege hängt in großem Maße von gegenseitigem Verständnis und Kommunikation ab. Die Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen (BIVA) hat die Expertin für interkulturelle Kommunikation und Kommunikation rund um die Pflege, Waltraud Gehrig, um ihre Einschätzung zu dem Thema gebeten:

„Pflege hat in jeder Kultur einen anderen Stellenwert und wird in der Gesellschaft unterschiedlich wahrgenommen. Menschen werden zu Hause oder in einer speziellen Einrichtung gepflegt. Letzteres geschieht vor allem in den westlichen Industriestaaten. Aber in vielen Kulturen, wie z.B. im slawischen oder arabischen Kulturkreis, werden alte und pflegebedürftige Menschen zu Hause gepflegt. Es ist selbstverständlich, dass sie in ihrem familiären Umfeld bleiben. Die Pflege ist dort aber nicht nur Angelegenheit des Einzelnen. Dort gibt es in der Regel noch die Großfamilie und auch Nachbarn und Freunde sind abrufbereit und immer zur Stelle, wenn Hilfe jeglicher Art benötigt wird.

Pflege in der Familie war auch in Deutschland früher nichts außergewöhnliches, es gehörte zum Leben dazu. In den letzten Jahren konnte jedoch festgestellt werden, dass pflegende Angehörige ihre Situation mitunter bewusst verschweigen. Eine Fachtagung zum Thema Pflegestärkungsgesetz im April dieses Jahres in Heidelberg hat dies bestätigt. Pflege ist ein Tabuthema, vor allem wenn es um pflegende Angehörige geht, die noch im aktiven Berufsleben stehen.

Der persönliche und öffentliche Raum in der Pflege


Seit Jahren gibt es ausländische medizinische (Fach)kräfte, die den zunehmenden Pflegenotstand durch Fachkräftemangel in unserem Land auffangen. Dies geht allerdings nicht immer reibungslos vonstatten. Beide Seiten haben oftmals komplett unterschiedliche Auffassungen von dem, was der andere leisten soll. Klare Regeln und Rahmenbedingungen sollten das Arbeitsverhältnis mit ausländischem Pflegepersonal schon zu Beginn klären. Perspektivenwechsel, regelmäßige Kommunikation miteinander, Empathie und Verständnis auf beiden Seiten sind wichtig, um Missverständnissen vorzubeugen und ein gutes Miteinander zu erzielen.

Der gesellschaftliche Umgang mit Pflege liegt mitunter im jeweiligen Verständnis des öffentlichen oder privaten Raums. In jeder Kultur gibt es ein kulturinternes Verständnis des persönlichen Raums, ergänzt durch ein jeweils persönliches Raum- und Distanzverständnis. Im slawischen und arabischen Kulturraum verwischen beispielweise die Grenzen zwischen persönlichem und öffentlichem Raum. Fremden teilt man Einzelheiten der persönlichen Lebenssituation schon nach kurzem Kennenlernen mit, selbst im beruflichen Umfeld. Anders ist es im deutschen oder nordeuropäischen Kulturkreis. Hier gibt es sehr wohl Grenzen, die deutlich ausgeprägt sind. Der Unterschied zu unserer Kultur besteht darin, dass in östlichen Kulturen Pflege keine ‚Schwäche‘ darstellt. Es wird gegenüber der Pflegeperson nicht negativ verwendet, wohingegen in der westlichen Kultur Zweifel vorherrschen, wie der Arbeitgeber oder das Umfeld auf die privaten Verpflichtungen reagieren. Arbeitnehmer haben oft Bedenken, dass aus der Pflegesituation heraus Nachteile am Arbeitsplatz entstehen könnten.

Gerade bei langjährigen Arbeitsverhältnissen in einem familiären Umfeld ist das Verständnis und das Bewusstsein um Raum und Distanz von enormer Bedeutung, da gerade im Pflegebereich das Verhältnis Arbeitgeber – Arbeitnehmer auf der einen Seite zwar professionell distanziert sein sollte, auf der anderen Seite aber auch sehr persönlich werden kann. Hierbei die Balance zu wahren, ist mitunter eine Herausforderung für beide Seiten. Ausländisches Pflegepersonal hat oftmals ein anderes Verständnis von Pflege und im Umgang mit dem pflegebedürftigen Patienten, was zu Missverständnissen und im schlimmsten Fall gar zum Beenden des Arbeitsverhältnisses führen kann.

Neben dem unterschiedlichen Verständnis von öffentlichem und privatem Raum ist im interkulturellen Umgang u.a. wichtig:

  • Sprachbarrieren zu meistern
Oftmals verstehen sich ausländische PflegerInnen und Patienten auch ohne Worte. Nichtsdestotrotz, kann es zu Fehlern oder Missstimmung kommen, wenn die Sprachkompetenz fehlt. Oft geben ausländische Pflegepersonen ungern zu, etwas nicht verstanden zu haben, auch aus Angst heraus, die Arbeitsstelle zu verlieren. Wichtig ist es in solch einer Situation, mit einfachen Worten und Sätzen die Anliegen zu formulieren, Wörterbücher können dabei unterstützen. Der Auftraggeber oder Arbeitnehmer sollte immer alle ‚Sinne‘ einschalten. Durch verbale und non-verbale Kommunikation und der Art und Weise wie der andere reagiert, ist einfach zu erkennen inwieweit Anweisungen oder eine Unterhaltung verstanden wurden.  

  • Vorurteile und Stereotypen auf beiden Seiten abzubauen
Man sollte sich dessen bewusst sein, dass gerade im Pflegesektor Menschen arbeiten, die aus dem ehemals sozialistischen, slawischen Raum kommen. Obwohl einer anderen, jüngeren Generation angehörig, stammen diese Pflegekräfte aus Ländern, die zwar formal den Krieg gewonnen haben aber sehr viele Einschnitte in ihrem persönlichen Leben erfahren haben. Zudem sind sie von der Geschichte ihrer eigenen Familie geprägt. Sie pflegen Menschen, die der Nation der ‚Kriegsverlierer‘ angehören, meistens finanziell viel besser gestellt sind und das ist nicht immer eine einfache Situation. Falls die Sprachkompetenz ausreicht, sollte man sich nicht scheuen darüber zu sprechen. Solche Gespräche können sehr interessant sein und allen Beteiligten interessante Perspektiven aufzeigen.

  • Unterschiedliches medizinisches Verständnis zu akzeptieren
Der Umgang mit Krankheit unterscheidet sich oft in den verschiedenen Kulturen. „Naturvölker“ sind mitunter eher der Naturheilkunde und traditionellen Medizin zugetan, wohingegen andere Kulturen eher der westlichen Medizin zugeneigt sind. Trotz allem ist häufig der Arzt in vielen Kulturen eine Autoritätsperson. Von Vorteil wäre es im Vorfeld abzuklären, inwieweit das Pflegepersonal mit dem eigenen Verständnis von medizinischer Versorgung und Pflege übereinstimmt.

  • Konflikt in den einzelnen Kulturkreisen zu managen
Pflegepersonal aus emotional geprägten Kulturkreisen reagiert oft emotional auf Kritik oder Anmerkungen und betrachtet es weniger sachlich. Hier gilt: Eine angenehme Atmosphäre schaffen, um Kritik anzusprechen und sich vor allem nicht durch emotionale Reaktionen aus dem Konzept bringen zu lassen. Überlegen Sie sich im Vorfeld gut, wie Sie die Kritik äußern. Es ist wichtig, immer wieder zu erklären, dass es einzig um das Wohl des Kranken geht.

Abschließend kann man jedoch festhalten, dass Pflegepersonal aus anderen Kulturkreisen oft eine Bereicherung für alle Beteiligten darstellt. Mit ein wenig Toleranz und Offenheit können wir alle voneinander lernen und unser Leben bereichern. „

Montag, 13. Juli 2015

Im Wiegeschritt den Parkinson bremsen

Die Krankheit schränkt die Beweglichkeit ein, Tanzen erhält sie



Vom Tango profitieren kanadischen Forschern zufolge auch Parkinsonkranke. 

Bei Studienteilnehmern schritt die Krankheit nach einem zwölfwöchigen Kurs langsamer fort. „Fragen Sie in Tanzschulen oder Rehasportzentren nach speziellen Kursen“, rät Friedrich Mehrhoff von der Deutschen Parkinson-Vereinigung im Apothekenmagazin „Senioren-Ratgeber“. 

Quelle: Das Apothekenmagazin „Senioren Ratgeber“ 

Die Ausgabe 7/2015 liegt in den meisten Apotheken aus und wird ohne Zuzahlung zur Gesundheitsberatung an Kunden abgegeben.

Samstag, 11. Juli 2015

Fingerfood für demenzkranke Menschen

Gelassen bleiben, wenn ein Alzheimer-Patient Messer und Gabel verschmäht


Foto: Jörg Brinckheger  / pixelio.de

Sehr viele Menschen betreuen in ihrem Haushalt  pflegebedürftige Angehörige, häufig demente ältere Angehörige. 

Sie sollte man, so weit es geht, in den normalen Tagesablauf mit einbeziehen, zum Beispiel auch beim Essen – ohne weiterhin auf gute Tischsitten zu pochen, wenn der Demente Messer und Gabel verschmäht. „Alzheimerpatienten verstehen das häufig nicht mehr“, erklärt Logopädin Andrea Daubenberger von Klinikum Esslingen, im Apothekenmagazin „Senioren-Ratgeber“. 

Dann ist Fingerfood die Alternative: Schnitzel, mundgerecht serviert, zum Beispiel, und zwar am Familientisch. „An vertrauten Abläufen bei Mahlzeiten können sie sich orientieren“, sagt Daubenberger.

Quelle: Das Apothekenmagazin „Senioren Ratgeber“ 

Donnerstag, 9. Juli 2015

Pflegende Angehörige werden mit Training- und Erholungswoche unterstützt

Teilnehmer erhalten Tipps und Tricks zur Pflege



„Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau möchte mit ihrem Angebot der Trainings- und Erholungswoche für pflegende Angehörige deren wertvolle Arbeit unterstützen und anerkennen“, darauf weist der Vorsitzende des SVLFG-Präventionsausschusses Bernd Schulte-Lohmöller hin.

Die Trainings- und Erholungswoche besteht aus einem achttägigen Aufenthalt in einer Seminareinrichtung. Dort erhalten die Teilnehmer Tipps und Tricks zur Pflege. Zudem erfahren sie, wie sie etwas für sich selbst tun können.

Den Schwerpunkt der Woche bildet ein Pflegekurs, unter anderem mit Hinweisen zum Heben, Tragen, Lagern, Einsatz von Hilfsmitteln sowie zur Ernährung. Weiterhin sollen die Teilnehmer in die Lage versetzt werden, sich in ihrer wenigen Freizeit durch gezielte Bewegungs- oder Entspannungsübungen selbst zu regenerieren, um auch weiterhin der anstrengenden Aufgabe gewachsen zu sein. Auch der Gedankenund Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten ist für die Teilnehmer äußerst wichtig.

Während dieser Woche ist es möglich, den Pflegebedürftigen durch eine Kurzzeitoder Verhinderungspflege versorgen zu lassen. Die Eigenbeteiligung für die Trainings- und Erholungswoche für pflegende Angehörige beträgt derzeit pro Teilnehmer 99 Euro. 

Seminarstandorte, Termine und Ansprechpartner stehen im Internet unter www.svlfg.de > Gesundheitsangebote. 

Hintergrundinformation:

In der Versichertengemeinschaft der SVLFG ist die Bereitschaft zur Pflege in der Familie hoch, denn es werden dreimal so häufig Angehörige gepflegt wie im restlichen Teil der Bevölkerung. Da diese soziale Leistung zur täglichen Arbeitsbelastung hinzukommt, führt die Pflegetätigkeit oftmals zur Erschöpfung 

Samstag, 4. Juli 2015

Älteren und Pflegebedürftigen setzen die hohen Temperaturen stark zu

Schutz vor dem Hitzekollaps


Die Hitze in diesen Tagen setzt allen zu

Mit Temperaturen bis zu 40 Grad wird die aktuelle Hitzewelle in Deutschland am Wochenende ihren Höhepunkt erreichen. Rettungsdienste und Notaufnahmen erwarten verstärkt Patientinnen und Patienten mit hitzebedingten Beschwerden. "Wer mögliche Risiken richtig einschätzt, kann mit ein paar Verhaltensänderungen Gesundheitsproblemen vorbeugen", sagt Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der BARMER GEK.

Grundsätzlich reagiert jede Person unterschiedlich auf Hitze. Wie gut oder schlecht diese vertragen wird, hängt auch entscheidend von dem momentanen körperlichen Befinden ab. "Wenn gesunde Erwachsene während einer Hitzewelle täglich mindestens zwei bis drei Liter Wasser, ungesüßten Tee oder Saftschorlen trinken und leichte, vitaminreiche Kost zu sich nehmen, werden in der Regel keine gesundheitlichen Beschwerden auftreten", so Marschall. 
Älteren und Pflegebedürftigen sowie Kleinkindern und chronisch Kranken können die für Deutschland extrem hohen Temperaturen dagegen stark zusetzen. Flüssigkeitsmangel, eine Verschlimmerung bestehender Krankheiten, Hitzekrämpfe und erhebliche Kreislaufbeschwerden bis zum Kollaps können die tragischen Konsequenzen sein. Um dem vorzubeugen, rät Marschall:
  • Reichlich alkoholfreie und ungesüßte Getränke zu sich nehmen.
  • Den Tagesablauf der Hitze anpassen. Körperliche Anstrengungen nach Möglichkeit auf die Morgen- und Abendstunden legen.
  • Draußen möglichst im Schatten bleiben.
  • Leichte, nicht einengende Kleidung wählen.
  • Auf einen ausreichenden, dem Hauttyp entsprechenden Sonnenschutz achten.
  • Sonnenhut und Sonnenbrille tragen.
  • Keine Personen in einem geparkten Auto zurücklassen, auch nicht für kurze Zeit.
  • Wohnräume nachts und morgens lüften, tagsüber verdunkeln.
  • Nach dem Duschen nicht vollständig abtrocknen. Bringt zusätzliches Frischegefühl.

Mittwoch, 1. Juli 2015

Trotz Sehverlust bei Diabetes selbstständig bleiben

Wo Sehbehinderte Rat zur Ausstattung mit angepassten Hilfsmitteln bekommen



Nach vielen Jahren mit Diabetes ist das Risiko für Einschränkungen der Sehkraft hoch. Aber der Diabetiker muss täglich oft mehrfach seinen Blutzucker messen und nach dem Ergebnis seine Insulindosis bestimmen. Das geht bei schlechter Sehkraft mit den üblichen Geräten kaum. 

Deshalb gibt es mittlerweile angepasste Messgeräte, Stechhilfen und Spritzen, die Sehbehinderten die eigenverantwortliche Behandlung ermöglichen, berichtet das Apothekenmagazin „Diabetes Ratgeber“. Es rät den Betroffenen, sich fachkundige Hilfe zu suchen. 

Viele Landesvereine des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes e. V. haben einen Diabetesbeauftragten, der individuell beraten kann. Dessen Telefonnummer erfährt man über Tel. 0 18 05 / 66 64 56.

Dieser Beitrag ist erschienen im Apothekenmagazin „Diabetes Ratgeber“ 7/2015. Dieses liegt in den meisten Apotheken aus und wird ohne Zuzahlung zur Gesundheitsberatung an Kunden abgegeben.