Mittwoch, 23. Mai 2018

Auch viele jüngere Menschen sorgen sich um Pflegebedürftigkeit

Die Umfrageergebnisse zeigt der SWR in seinem Bürgertalk "mal ehrlich ... pflegende Angehörige am Limit?" heute ab 22 Uhr im SWR Fernsehen


Foto: ARD | SWR Fernsehen

Immer mehr Deutsche befassen sich mit der Möglichkeit, selbst pflegebedürftig zu werden. Das geht aus einer repräsentativen, bundesweiten Umfrage des Instituts infratest dimap hervor, die der Südwestrundfunk für den SWR Bürgertalk "mal ehrlich..." in Auftrag gegeben hat. Wie der SWR mitteilt, haben sich 61 Prozent der 1009 Befragten bereits intensiv mit dem Thema Pflege befasst, 27 Prozent haben sich sogar Informationen in einem Pflegeheim oder Pflegestützpunkt besorgt. 

Die Sorge um eine mögliche Pflegebedürftigkeit treibt auch jüngere Menschen um. So geht aus der SWR Umfrage hervor, dass 44 Prozent der 18- bis 34-Jährigen angeben, sich intensiv mit der Pflegeproblematik auseinandergesetzt zu haben. Unter den 50- bis 64-Jährigen liegt der Anteil mit 73 Prozent am höchsten. 

Gut ein Viertel (28 Prozent) der befragten Bundesbürger haben sich laut Umfrage mit dem Thema Pflege "noch nicht besonders beschäftigt". 

Die Ergebnisse der Umfrage zeigt der SWR in seinem Bürgertalk "mal ehrlich ... pflegende Angehörige am Limit?" am Mittwoch, 23. Mai, ab 22 Uhr im SWR Fernsehen. Zu Gast bei Moderator Florian Weber sind die Fach-Politikerinnen Hedi Thelen (CDU) und Heike Baehrens (SPD) sowie mit der Pflege-Experte Dr. Johannes Nau. 

Bürgerinnen und Bürger, die Interesse haben, bei der nächsten Sendungen dabei zu sein, wenden sich bitte per Mail an mal-ehrlich@swr.de oder info@encanto.tv. Am 6. Juni 2018, ab 22 Uhr, wird über "mal ehrlich ... bedeutet Hartz IV Armut?" diskutiert.

Freitag, 18. Mai 2018

Medizin mit dem Zusatz "retard" nie teilen oder zerkauen

Werden diese Tabletten zerkleinert, wird "die gesamte Dosis auf einmal freigesetzt"




Medikamente mit dem Zusatz "retard" dürfen auf keinen Fall geteilt oder zerkaut werden. "Sonst droht eine Überdosierung", warnt Apothekerin Maria Bründermann aus Edewecht im Apothekenmagazin "Senioren Ratgeber". 

Retardpräparate seien in der Herstellung so bearbeitet worden, dass ihr Arzneistoff nur allmählich abgegeben und so über einen längeren Zeitraum eine gleichmäßige Wirkung erzielt werde. "Die Tabletten wurden dafür entweder mit einem Spezialfilm überzogen oder enthalten entsprechend präparierte Granulatpartikel, sogenannte Pellets; manchmal ist der Arzneistoff auch in ein gitterartiges Gerüst aus unverdaulichem Wachs oder Kunststoff eingebettet", erklärt die Apothekerin. 

Werden diese Tabletten zerkleinert, werde "die gesamte Dosis auf einmal freigesetzt". 

Der aktuelle "Senioren Ratgeber" stellt darüber hinaus kleine praktische Helfer vor, die das Einnehmen von Arzneien erleichtern - zum Beispiel die digitale Medikamentenbox und eine Dosierhilfe für Augentropfen. 

Quelle:  Das Apothekenmagazin "Senioren Ratgeber

Montag, 14. Mai 2018

Bayern führt Landespflegegeld ein

Pflegebedürftige in Bayern ab Pflegegrad 2 erhalten künftig jährlich 1.000 Euro zusätzlich


Bayerns Pflegeministerin Melanie Huml und Finanzminister Albert Füracker haben die Pläne zum Aufbau des neuen Landesamts für Pflege (LfP) im oberpfälzischen Amberg erläutert. Die Landesbehörde soll bereits im Sommer dieses Jahres mit einem Aufbauteam starten.

Huml betonte anlässlich eines Pressegesprächs in Amberg: "Mit einem eigenständigen Landesamt für Pflege unterstützen wir die pflegebedürftigen Menschen ebenso wie die Pflegenden in ganz Bayern. Unser Signal ist: Wir setzen einen Schwerpunkt auf die Pflegepolitik und packen die Herausforderungen tatkräftig an. Das neue Landesamt wird dafür sorgen, dass die Fortschritte aus dem erst kürzlich beschlossenen bayerischen Pflege-Paket auch zügig bei den Menschen ankommen. Insbesondere wollen wir das Landespflegegeld in Höhe von 1.000 Euro jährlich für Pflegebedürftige schnell und unbürokratisch auf den Weg bringen."

Füracker unterstrich: "Mit dem neuen Landesamt für Pflege führen wir die erfolgreiche Heimatstrategie der Staatsregierung fort und leisten einen wichtigen Beitrag zur Strukturentwicklung Nordbayerns und Stärkung des Gesundheitsstandorts Oberpfalz. Mit dem Aufbau des Landesamts für Pflege hier in Amberg unterstreicht die Staatsregierung einmal mehr, welche große Bedeutung sie der Stärkung des ländlichen Raums und dem Thema Pflege beimisst."

Neben der Auszahlung des Landespflegegelds wird das LfP den Ausbau der Pflege-Infrastruktur unterstützen. Darunter fällt das Fünf-Millionen-Euro-Programm für mindestens 500 neue Plätze in der Kurzzeitpflege pro Jahr zur Entlastung der Familien von Pflegebedürftigen. Zudem sollen ab 2019 für eine zukunftsfähige bayerische Pflegeinfrastruktur jährlich 60 Millionen Euro für rund 1.000 neue Pflegeplätze zur Verfügung stehen. Das Landesamt wird auch Aufgaben im Bereich der Hospiz- und Palliativversorgung, der Demenzstrategie und dem Ehrenamt in der Pflege übernehmen.

Füracker erläuterte: "Die erstmalige Auszahlung des Landespflegegeldes 2018 wird vom Landesamt für Finanzen vollzogen, damit die staatliche Leistung schnell bei den Anspruchsberechtigten ankommt". Ministerin Huml ergänzte: "Das neue Landesamt für Pflege wird Aufgaben, die bisher auf verschiedene Stellen verteilt sind, effektiv bündeln. So kommt die Hilfe bei den Menschen künftig besser an. 

Dienstag, 8. Mai 2018

Menschliche Roboter für Demenzkranke

EU-Projekt MARIO


Foto: KOMPAÏ robotics

Können Maschinen menschliche Zuwendung ersetzen? Die Deutschen sind da skeptisch. Doch in Großbritannien, Irland und Italien stoßen Tests mit Pflegeroboter MARIO aus dem gleichnamigen EU-Projekt auf positive Resonanz. Die Software für die Roboter kommt aus Passau.

„Um es ganz provokant zu sagen: Diese Roboter könnten sich in manchen Fällen um demenzkranke Patienten besser kümmern als eine überlastete Pflegekraft“, sagt Prof. Dr. Siegfried Handschuh über die Roboter, die das Forschungsteam ein Jahr lang im Einsatz mit demenzkranken Patientinnen und Patienten getestet hat. In Großbritannien teilten sich die Menschen mit den Maschinen ihr zu Hause. 

Handschuh ist Inhaber des Lehrstuhls für Informatik mit Schwerpunkt Digital Libraries and Web Information Systems an der Universität Passau. Gemeinsam mit seinem Team steuert er die Software bei, die dem Roboter MARIO Verständnis verleiht: für Sprache, aber auch für den Gemütszustand der jeweiligen Patientinnen und Patienten. 

Durchwegs positive Rückmeldungen


Von August 2016 bis August 2017 begleiteten die Roboter Patientinnen und Patienten in Irland, Italien und Großbritannien. Die Rückmeldungen seien durchwegs positiv gewesen: „Menschen mit Demenz mögen MARIO. Es bereitet ihnen Freude, mit dem Roboter zu interagieren. Wir hätten erwartet, dass der Roboter auf mehr Skepsis stoßen würde“, so Prof. Dr. Handschuh. 

Der Roboter MARIO ist in dem gleichnamigen Forschungsprojekt entwickelt worden. Die Abkürzung steht für: „Managing active and healthy aging with use of caring service robots”. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Irland, Frankreich, Großbritannien, Europa und Deutschland sind beteiligt und arbeiten eng mit Pflegefachkräften, Krankenhäusern und Robotikfirmen zusammen. Eine Ethikkommission unter der Leitung der National University of Ireland, Galway, begleitet die Arbeit der Forscherinnen und Forscher. 

Dass Roboter als unterstützende Assistenten in der Pflege zum Einsatz kommen, beispielsweise für kräftezehrende Hebetätigkeiten, das können sich einer Umfrage zufolge noch viele Deutsche vorstellen (https://www.bmbf.de/de/vom-roboter-gepflegt-werden-fuer-jeden-vierten-vorstellba...). Schwieriger wird es bei dem Gedanken, dass die Maschinen möglicherweise auch menschliche Zuwendung ersetzen könnten. 

So interagiert der Roboter mit Patientinnen und Patienten


Genau das kann MARIO. Zum Beispiel, indem er nicht müde wird, Fragen zu stellen, wie: „Hast Du heute schon Deine Medizin genommen?“ Oder, indem er auf den Gemütszustand des jeweiligen Patienten oder der Patientin reagiert. „Wenn der Roboter gelernt hat, dass die Patientin möglicherweise jeden Tag morgens weint, weil sie sich an den verstorbenen Mann erinnert, dann kann der Roboter darauf reagieren. Indem er tröstet, indem er ablenkt. Beispielsweise, indem er Bilder von schönen Erlebnissen zeigt“, erklärt Projektmitarbeiter Dr. Adamantios Koumpis.

Das klingt kalt und banal. Doch manchen pflegebedürftigen Menschen kann dies das Leben erleichtern, bisweilen sogar retten. Denn der Roboter hätte deren Zustand stets im Blick und könnte das Pflegepersonal gezielt alarmieren, sobald er gravierende Änderungen feststellt. Auch Änderungen, die auf den ersten Blick positiv erscheinen mögen: „Nehmen Sie die Frau, die jeden Morgen weint. Tut sie das eines Morgens nicht, kann dies durchaus ein Alarmsignal sein“, so Koumpis.

2018 sollen die Roboter auf den Markt kommen


Im Januar 2018 läuft das Projekt aus, dann sollen die Roboter auf den Markt kommen. Sie sollen durchaus erschwinglich sein. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten aus diesem Grund mit einem etwas älteren Modell, dem Kompai 2, den das französische Unternehmen Robosoft entwickelt hat. Dieses haben sie mit der Software aus Passau aufgerüstet.

Die Passauer sind Spezialistinnen und Spezialisten im Bereich des Natural Language Processing, einer Technologie, die es ermöglichen soll, dass Mensch und Maschine nicht nur miteinander kommunizieren können, sondern auch lernen, einander zu verstehen. „MARIO versteht nicht alles, insbesondere, wenn jemand starken Dialekt spricht“, sagt Koumpis. „Aber es bereitet den Menschen dennoch Freude, mit ihm zu kommunizieren.“

Beteiligte und Förderung


Die Gesamtleitung des Projekts liegt bei der National University of Ireland (NUIG), Galway. Die Projektleitung an der Universität Passau hat der Lehrstuhl für Informatik mit Schwerpunkt Digital Libraries and Web Information Systems inne. Das Konsortium besteht aus wissenschaftlichen und industriellen Partnern aus ganz Europa.
Irland:

- School of Nursing & Midwifery, National University of Ireland, Galway
Großbritannien:
- R.U. Robots Limited, Manchester
- Ortelio Ltd., Coventry
- Stockport Metropolitan Borough Council
Italien:
- Consiglio Nazionale Delle Ricerche, Rom
- Institute of Cognitive Sciences and Technologies, Laboratory of Autonomous Robotics and Artifical Life, Rom
- R2M Solution SRL, Catania (CT)
- Laboratorio di Geriatria e Gerontologia, Fondazione Casa Sollievo Della Sofferenza, San Giovanni Rotondo 
Griechenland:
- Caretta-Net, Thessaloniki

Die Europäische Union fördert das Projekt aus dem 8. Forschungsrahmenprogramm HORIZON 2020 mit einer Summe von insgesamt fast 4 Millionen Euro über eine Laufzeit von drei Jahren. Davon gehen ca. 300.000 Euro nach Passau.

Mittwoch, 2. Mai 2018

Diese Veränderungen weisen auf die Alzheimer-Krankheit hin

Abzugrenzen sind die Symptome von normalen altersbedingten Veränderungen


Copyright: Nottebrock / Alzheimer Forschung Initiative e.V.

Düsseldorf – Jedes Jahr werden 200.000 Menschen mit der Volkskrankheit Alzheimer diagnostiziert. Insgesamt 61 Prozent der über 70-Jährigen treibt die Sorge vor der Alzheimer-Krankheit um.
Das ergab eine repräsentative Umfrage des Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der gemeinnützigen Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI).

Die AFI informiert deshalb über Symptome, die auf eine Erkrankung hinweisen können:
  • Gedächtnislücken
  • Schwierigkeiten beim Planen und Problemlösen
  • Probleme mit gewohnten Tätigkeiten
  • Räumliche und zeitliche Orientierungsprobleme
  • Wahrnehmungsstörungen
  • Neue Sprach- und Schreibschwäche
  • Verlegen von Gegenständen
  • Eingeschränktes Urteilsvermögen
  • Verlust von Eigeninitiative und Rückzug aus dem sozialen Leben
  • Persönlichkeitsveränderungen, Stimmungsschwankungen ohne erkennbaren Grund


Abzugrenzen sind die Symptome von normalen altersbedingten Veränderungen:


  • Namen oder Verabredungen werden kurzfristig vergessen, später aber wieder erinnert
  • Zerstreutheit, wenn viele Dinge gleichzeitig anstehen
  • Gelegentlicher Hilfebedarf beim Umgang mit anspruchsvollen Alltagsanforderungen, zum Beispiel dem Programmieren des Fernsehers
  • Sich dann und wann im Wochentag zu irren und es später zu merken
  • Verändertes oder verringertes Sehvermögen, zum Beispiel aufgrund von Linsentrübung
  • Ab und zu nicht das richtige Wort zu finden
  • Dinge hin und wieder zu verlegen und dann wiederzufinden
  • Eine unüberlegte oder schlechte Entscheidung zu treffen
  • Sich manchmal überfordert zu fühlen durch Anforderungen bei der Arbeit, in der Familie oder durch soziale Verpflichtungen
  • Irritation, wenn geregelte Alltagsabläufe geändert oder unterbrochen werden

Grundsätzlich gilt: Wer sich Sorgen um sein Gedächtnis macht, sollte immer einen Hausarzt aufsuchen. Denn nur durch eine medizinische Untersuchung kann der Arzt feststellen, was die Ursache von Gedächtnisproblemen ist. Eine Selbstdiagnose ist nicht möglich. Im Falle einer Alzheimer-Erkrankung sollte möglichst frühzeitig mit einer Therapie begonnen werden. Die Medikamente, die den Verlauf verzögern können, wirken am besten zu Beginn der Krankheit.


Kostenlose Informationsmaterialien zur Alzheimer-Krankheit können bestellt werden bei der Alzheimer Forschung Initiative e.V., Kreuzstr. 34, 40210 Düsseldorf; Telefonnummer 0211 - 86 20 66 0; Webseite: https://www.alzheimer-forschung.de/alzheimer/broschueren-downloads/

Dank zahlreicher privater Spender konnte die AFI bisher 800.000 kostenlose Ratgeber und Broschüren an Interessierte und Betroffene versenden. Zusätzlich konnten 230 Forschungsaktivitäten mit über 9,2 Millionen Euro unterstützt werden.


Über die Alzheimer Forschung Initiative e.V.


Die Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein. Seit 1995 fördert die AFI mit Spendengeldern Forschungsprojekte engagierter Alzheimer-Forscher und stellt kostenloses Informationsmaterial für die Öffentlichkeit bereit. Bis heute konnte die AFI 230 Forschungsaktivitäten mit über 9,2 Millionen Euro unterstützen und rund 800.000 Ratgeber und Broschüren verteilen. 

Interessierte und Betroffene können sich auf www.alzheimer-forschung.de fundiert über die Alzheimer-Krankheit informieren und Aufklärungsmaterial anfordern. Ebenso finden sich auf der Webseite Informationen zur Arbeit des Vereins und allen Spendenmöglichkeiten. Botschafterin der AFI ist die Journalistin und Sportmoderatorin Okka Gundel.